
AlpenX der MTB-Kits
Ja, wir haben es geschafft! Michi, Stefan, Thomas und ich haben den Vorschlag unserer Trainer Herbert Spengler und Hermann Rothermel, eine Alpenüberquerung zu versuchen, in die Tat umgesetzt. Weil wir uns vor Beginn nicht sicher waren, ob wir es 6 Tage im Sattel aushalten würden, unternahmen wir vorher ausgiebige Trainingsfahrten in der Umgebung und vertieften unser Können im Bergabfahren bei einem Downhill-Kurs. Am Ende blieben vier Teilnehmer übrig, die sich am 30.8.08 auf den Weg machten.
Vom Plansee aus folgten wir dem Panoramaweg nach Ehrwald, und wäre nicht der Anstieg zum Fernpass gewesen, hätten wir nicht geglaubt, dass es anstrengend werden würde. An diesem Berg jedoch vergossen wir einigen Schweiß, bevor der Trial hinunter zum Schloss Fernstein echtes Downhill-Feeling aufkommen ließ. Ein Blick auf die Kolonne von Autos am Fernpass beschleunigte uns so sehr, dass wir glatt die Spuren der alten Römer, die sie auf der Via Claudia hinterlassen hatten, übersahen. Nach einer Nacht in Zams ging es auf dem Inn-Radweg gemütlich dahin, lediglich ein Trial hoch über dem Fluss bot etwas Abwechslung. Da der Finstermünzpass für Radler gesperrt ist, verluden wir auf Höhe der Kajetansbrücke unsere Räder in einen Bus und gelangten so gemütlich nach Nauders.
Die letzten Kilometer hinauf zur Reschenpass-Höhe mussten wir uns wieder erkämpfen, aber da wir die Kiter und Surfer auf dem See beobachten konnten, fiel uns das viel leichter. Die Landschaft hinab ins Vinschgau flog regelrecht an uns vorbei, und erst in Burgeis bremsten wir uns ein und gönnten uns bei einem Eis eine kleine Pause. Der weitere Weg zu unserem nächsten Quartier in Oris führte durch endlose Apfelplantagen, war aber weiters nicht anstrengend. Dafür konnten wir uns im Pool des Hotels noch richtig austoben, der mindestens 10 Grad wärmer war als der Inn, in dem wir uns am Vortag abgekühlt hatten.
Am Morgen strampelten wir nach Rabland, von wo aus eine Seilbahn uns hinauf nach Aschbach brachte, da es die Strecke hinauf zum Vigiljoch laut Karte noch in sich haben sollte. Die Karte hatte Recht, und so hatten wir zu ganz schön zu kämpfen, bis wir oben waren. Die auf dem Gipfel bestellte Nudelpfanne war dann aber so riesig, dass wir den weiteren Anstieg zur Stafler-Höhe nur mit Mühe schafften. Hinunter ging es über Pfade und Wanderweg nach dem Motto „alles fahrbar“, auch wenn wir ein paar Male absteigen mussten, weil die Abfahrt doch ziemlich anspruchsvoll war. Jedenfalls waren alle Mühen vergessen, und so „vernichteten“ wir voller Freude auf einer Forststraße noch weitere Höhenmeter. Leider mussten wir die wir auf der Ultner Höhenstraße wieder gutmachen und die Zähne am Ende des Tages zusammenbeißen, um zu unserem Tagesziel St. Gertraud zu gelangen. Leider gerieten wir auf den letzten 4 Kilometern in einen heftigen Regenschauer, der aber nach einer warmen Dusche und einem leckeren Abendessen bald vergessen war. Mit einem Kicker-Turnier beendeten wir den 3. Tag.
Frisch gestärkt mit Müsli und Vinschgerln ging es am folgenden Morgen ins Kirchbergtal. Vorbei an der gleichnamigen Alm mussten wir immer mehr in die Pedale treten, bis schließlich Schieben angesagt war. Und so wuchteten wir die letzten 200 Höhenmeter unsere Räder und unsere 6 kg schweren Rucksäcke hoch zum Rabbi-Joch auf 2445 m. Dort hüllte uns eine Wolkenwand ein, so dass wir uns schleunigst in die Haselgruber-Hütte verkrümelten. Nach Pasta und Apfelschorle graute uns die Abfahrt bei null Sicht, aber zum Glück riss nach etwa 50 m die Wolkendecke auf und wir konnten eine Traum-Abfahrt genießen. Leider mussten wir wegen sturen Kühen, die nicht ausweichen wollten, einige Male absteigen. Und weil wir immer übermütiger fuhren, bauten wir ein paar Stürze, die glücklicherweise alle glimpflich verliefen. Auf einer Teerstraße konnten wir etwa 15 km die Räder abwärts laufen lassen, bevor uns ein Talweg nach Cles führte. Auch an diesem Nachtquartier erwartete uns ein Pool, an dem wir uns mit unseren Guides ein Wasserball-Match lieferten.
Nach einer Runde Billard sollte es zur vorletzten Runde losgehen, und innerlich hatten wir uns bereits darauf eingestellt, dass es zum Gardasee nur noch abwärts ging. Leider führte die Strecke in ein Tal, dessen Anstieg kein Ende nehmen wollte. Bis Andalo hatten wir knapp 600 Höhenmeter in den Beinen, und nur mit viel Zureden kämpften wir uns weiter. Erst frische Pasta hob unsere Stimmung wieder, und danach konnte uns der kurze Anstieg zum Molvener See nicht mehr erschrecken. Ein Zimmer war dort auch gleich gefunden, und so konnten wir uns bald im Freibad, das wir für uns allein hatten, austoben.
Der letzte Tag war bei strahlendem Wetter angebrochen, und es sollte endlich nur noch bergab gehen. Und wirklich, nach ein paar Wellen fiel die Strecke im Val di Sole tatsächlich um 500 m hinunter nach Dro. Und nachdem uns die Guides „freie Fahrt“ gegeben hatten, gab es für uns kein Halten mehr: auf dem Radweg preschten wir von Arco mit Vollgas nach Torbole, wo wir nach 376 km und knapp 7000 Höhenmetern mitsamt unseren Rädern in den Gardasee rauschten.
Insgesamt sind wir etwas über 40 Stunden im Sattel gesessen (oder haben geschoben!), verbrauchten weder Flickzeug noch Ersatzteile und hatten, außer einigen kleinen Kratzern, keine Verletzungen zu verzeichnen.
Julian Spengler













