Alpenüberquerung

Alpen-Überquerung

Sieben Mitglieder des RVA hatten sich zum Ziel gesetzt, die Alpen von Nord nach Süd mit ihren Mountain-Bikes zu überqueren, sechs von ihnen kamen –wie geplant- nach 6 Tagen auch am Gardasee an.

Nach etlichen Sitzungen, bei denen der Streckenverlauf diskutiert worden war, und extra Trainingseinheiten machten sich Roland Wolgschaft, „Schorre“ Böhner, Werner Hartinger, Thomas Berger, Claus Stadler, Herbert Spengler und der Tour-Guide Markus Kolb am 21.6.03 auf den Weg. Von Füssen aus gelangten sie, an den Königsschlössern vorbei, über den Fernpass nach Zams-Landeck, wo sie das erste Lager aufschlugen.

Am nächsten Tag führte sie der „Paznauner Talweg“ nach Ischgl, wo sie der Anstieg zur Heidelberger Hütte auf 2264 m Meereshöhe bis zum frühen Abend in Anspruch nahm. Am nächsten Morgen klinkte sich Roland Wolgschaft wegen gesundheitlicher Probleme aus der Tour aus und trat den Heimweg an, während die anderen sich auf einen einstündigen Aufstieg zum Fimberpass aufmachten. Auf der anderen Seite ging es über Schneefelder hinunter in die Schweiz, wobei im Tal saftige Wiesen und frisches Heu einen kräftigen Kontrast setzten. Von ganz unten zog sich die Uina-Schlucht wieder zur Uina Dadora hinauf, wobei die anfängliche Hitzewelle von einem aufziehenden Gewitter abgelöst wurde. Nach einer kurzen Rast an der Alp Dadaint, die von einem Deutschen aus der Rhön mit einfachsten Mitteln –ohne Strom oder Kraftfahrzeugen- betrieben wird, ging es durch eine Klamm zum Schlinig-Pass. Tunnel und Galerien boten Schutz vor dem hereinbrechenden Gewitter, und bis alle oben angekommen waren (ein bisschen Höhenangst galt es dabei von zwei Teilnehmern zu überwinden), war das Unwetter zwar abgezogen, die Hochfläche jedoch verschneit. Trotzdem brachten sie die Strecke zur Sasvenna-Hütte so rechtzeitig hinter sich, dass die dort geplante Übernachtung verworfen und die Abfahrt ins Tal vorgezogen werden konnte. Mit teilweise 110 % Gefälle ging es ins italienische Schleis, wo um 16.00 Uhr das Mittagessen nachgeholt wurde. Der zweite „Platten“ der Tour konnte auf dem anstrengenden, weil nicht enden wollenden Anstieg nach Taufers noch als Erholung abgehakt werden.

Der nächste Morgen stand ganz im Zeichen des Umbrail-Passes. Die Biker schraubten sich um 1200 m nach oben, wobei sich das Stilfser Joch nach etwa 1 ½ ins Bild schob und einen daran zweifeln ließ, jemals oben anzukommen. Nach einer weiteren halben Stunde war dann endlich die Passhöhe erreicht, aber das eigentliche Ziel war nicht erreicht; so wurden die Räder noch etwa eine Stunde weiter zur Bocchetta di Forcola hinaufgeschoben. Das ehemalige Militärlager auf 2768 m bot einen herrlichen Hintergrund für Fotomotive, jedoch verlangte das Wetter, die aufgelassene Militärstrasse zum Tal schleunigst anzugehen. Trocken gelangten alle nach Bormio, von wo es nach einer Stärkung nach St. Catharina hinaufging. Auch hier wurde die abendliche Essensaufnahme auf ein Minimum reduziert, galt es doch, möglichst bereits um 08.00 Uhr das Tagespensum ausgeschlafen anzugehen.

Zwar konnte diese Vorgabe wegen Problemen mit einem defekten Hinterreifen nicht eingehalten werden, jedoch konnte der Gavia-Pass noch vor der einsetzenden Hitze bewältigt werden. Nach 800 Höhenmetern ließen sich die Teilnehmer eine Minestrone servieren, danach ging es auf der anderen Seite zügig nach Pezzo hinab. Schon wieder galt es – vorbei an einem neu aufgebauten Weiler- einen Pass zu überwinden. Nach 2 Stunden im ersten Gang und etlichen Schiebepassagen genossen alle einen herrlichen Ausblick von der Terrasse des Rifugio Bozzi. Leider wurde die Rast von einem aufziehenden Gewitter getrübt, der die Biker in das Schutzhaus zwang. Das Wetter ließ einen schwanken zwischen Übernachten und Weiterziehen, nach 2 Stunden des Wartens gab der Hüttenwirt dann doch grünes Licht. Bereits nach 10 Minuten ließ ein niedergehender Gewitterregen an dessen Prognose zweifeln, am Gipfelgrat wurden alle jedoch eines besseren belehrt. Die Abfahrt über Single-Trials hinunter an den gestauten Lago di Pian Palu war ein Vergnügen, das nur noch von den nun folgenden 21 km Teerstraße getoppt wurde, durch die knapp 2000 Höhenmeter „verloren“ gingen. Im Wintersportort Dimaro wurden Zimmer im „Sporthotel“ angeboten, die in Aussicht auf die Entspannung in der versprochenen Sauna gleich angenommen wurden.

Die letzte Tagesetappe führte hinauf nach Madonna die Campiglio, einem touristischen Wintersportort, der sommers lediglich von fotografierenden Touristenströmen bevölkert wird. Nachdem bereits die Beschilderung hinauf zu einem Umweg geführt hatte, war auch der Abzweig ins Val Agola kaum zu finden. Zwei Stunden später und 700 Meter höher (die letzten 300 galt es zu schieben) sollte die letzte Hürde auf dem Weg zum Gardasee genommen sein. Auf Forstwegen ging es hinunter nach Ponte Arche, wo doch wieder ein Berg „wartete“. Noch einmal 400 m hinauf nach Ballino, bevor es endgültig –am Tenno-See vorbei- nach Riva hinunter ging. In Torbole sprangen die Teilnehmer in kompletter Montur in den See und feierten anschließend ihre Leistung.

Ein Tag Baden am See ließ bereits Unruhe aufkommen, und so wurde zusammen mit Roland Wolgschaft, der inzwischen das Transportfahrzeug nachgeführt hatte, der Monte Stivo angegangen. Leider verkürzte ein Wetterumschwung die Gipfelbezwingung, aber die eroberten 1800 Höhenmeter schmolzen über Forststraßen und Single-Trials unter den Rädern wieder dahin. Nach einem gemeinsamen Abend mit vielen Erinnerungen traten alle –2 Platten, 2 defekten Hinterreifen und einer Augenverletzung zum Trotz- wohlgelaunt am Sonntag die Heimreise an; insgesamt waren 425 km und 13.500 Höhenmeter zurückgelegt worden, im Sattel war 45 Stunden gesessen worden.

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