
"Alles fahrbar" in den Dolomiten?
Am Mittwoch, 25.06.2008, fuhren 6 Biker per Auto nach Lajen im Grödnertal und starteten von dort zur ersten Etappe ihrer geplanten „Ronda Grande“. Per „Kaltstart“ ging es von St. Ulrich zur Seiser Alm, und von dort weiter zur Tierser Alpl auf 2.440 m, was nicht nur wegen der Steigung von 22% zur schweißtreibenden Angelegenheit geriet, sondern auch aufgrund der Temperaturen, die bei gnadenlosen 37 Grad lagen. Nach einer kurzer Hüttenrast und der 2. behobenen Reifenpanne schoben bzw. trugen die sechs ihre Räder hinauf zum Schlern-Haus. Ohne weitere Rast führt die Strecke über Almwege zur Sessel-Schweige, wo eine weitere Reifenpanne eine Rast erforderte. Beim folgenden „Knüppel-Weg“ zeigte sich, dass die Fahrstrecke ihrem Namen alle Ehre machte, stellte sie doch lediglich grob behauene Stämme, die in eine Schlucht „geklemmt“ waren, als Piste zur Verfü-gung. Der folgende Single-Trial forderte erneut seinen Tribut, und so waren eine geprellte Rippe, ein geprelltes Knie sowie eine derangierte Hinterradfelge zu vermelden. Und so konnten dem EM-Spiel Deutschland - Türkei nicht mehr alle Teilnehmer mit offenen Augen folgen, hatte der Tag doch einiges von ihnen abverlangt.
Am nächsten Morgen arbeiteten sich jedoch alle wieder frohen Mutes den Niger-Pass hoch. Durch einen herrlichen Wald führte ein Wirtschaftsweg steil nach oben, und nach Überwindung eines Höhenweges standen bei der Mittagsrast am Karer-Pass schon wieder 1.200 hm auf der Anzeige. Im Fassa-Tal angekommen ruhten sich die Biker nach einem herrlichen Downhill an einem schattigen Plätzchen bei Moëna aus, ohne den auf dem Tourplan stehenden Nicola-Pass angegangen zu haben. Nach einer Nacht in Canazei, in der ein gewaltiges Gewinner niedergegangen war, überwanden die Radler den Pordoi-Pass, der trotz der frühen Stunde von Motorradfahrern regelrecht in Beschlag ge-nommen war. Nach dem Abzweig zum Rifugio Fredarola auf 2.388 m kehrte Ruhe ein, und der Bindelweg gehörte neben vereinzelten Wanderern wieder den Radfahrern. Mittagspause wurde auf der Terrasse der Luigi Gorza-Bergstation an der Porta Vescovio, hoch über Arabba, eingelegt, bevor es auf der Skipiste hinüber Richtung Marmolada ging. Die Biker ließen den Gletscher jedoch links liegen und stürzten sich stattdessen hinunter ins Tal, von wo sie sich jedoch wieder hocharbeiten mussten, um auf der Pralongia-Hütte, 600 m über Corvara, die Nacht verbringen zu können. Am nächsten Morgen –nach einem kühlenden nächtlichen Regenschauer und dem Flicken eines weiteren Schlauches- ging es ins Tal, bevor erneut eine etwa 1-stündige Schiebe- und Trageaktion die Radler ins Fanes–Hochtal brachte. Ein kühlendes Getränk in der Lavarella-Hütte verschaffte für kurze Zeit Abkühlung, konnte den sommerlichen Temperaturen jedoch nur kurz Paroli bieten. Auch die rasante Abfahrt nach St. Vigil verschaffte keine Linderung, und so kamen die Biker auf Strecke am Kronplatz vorbei nach Campill nicht aus dem Schwitzen. Da es noch früher Samstag Nachmittag war und die Radler sich verständigten, die letzte Etappe zum Auto am nächsten Morgen nicht zu lange auszudehnen, entschlossen sie sich, die Nacht in der Schlüter-Hütte auf 2200 m zu verbringen. Doch der Weg dorthin entpuppte sich als mörderisch, war doch in keinem Moment an Fahren zu denken. So schob und trug man die Räder erneut etwa 700 Höhenmeter nach oben, bevor nach einem leckeren Abendessen die 6 todmüde ins Bett fielen.
Die über Nacht aufgezogenen Wolken lösten sich schon auf den ersten Metern hinab ins Tal auf, und so sollte die geplante Route zu den 1000 m tiefer wartenden Autos ein Kinderspiel sein. Es kam jedoch wieder mal anders, und der ins Auge gefasste Adolf-Munkel-Weg erwies sich als astreiner Wanderweg, auf dem es galt, noch einmal knapp 600 Höhenmeter zu überwinden, bevor es über den Brogles-Sattel und den Grödner-Höhenweg hinunter ins Tal ging. Doch auch dieser Abschnitt erwies sich angesichts Verblockungen oder losen Gerölls auf einem großen Teil als nicht fahrbar. Erst als der Wanderweg in einen Wirtschaftsweg überging, war an angenehmes Fahren zu denken, und so ge-langten die wackeren Radler am frühen Nachmittag an ihren Ausgangspunkt zurück.
Insgesamt hatten Thomas Berger, Schorre Böhner, Herbert Spengler, Jochen Tröber, Chris Zimmermann und der Organisator Markus Kolb in fünf Tagen nur etwa 215 km zurückgelegt, die jedoch auf knapp 8000 Höhenmeter verteilt waren, von denen sich wiederum der größte Teil als nicht fahrbar entpuppt hatte. Trotzdem war die „Große Runde“ ein unvergessliches Abenteuer, und die Dolomiten hatten sich wieder einmal als sehens- und lohnenswertes Ziel gezeigt. Und weil die Strapazen schon auf dem Heimweg vergessen waren, sollen bei einer weiteren Tour, die ihren Ausgangspunkt bei den Drei Zinnen nehmen wird, jetzt umgangene Ziele mit angegangen werden sollen.

















